Waitakere Ranges
Letztens waren wir in den Waitakere Ranges wandern. Das ist eine Hügelkette, die im Westen von Auckland liegt und eine ziemlich spektakuläre Landschaft bieten soll. So wurde es mir jedenfalls versprochen. Ein paar Bekannte von Steffi hatten sie gefragt, ob sie nicht Lust hätte einen Steam-Walk mit ihnen zu machen, also eine Wanderung entlang eines Flussstroms. Klar! Steffi hat mich auch noch in den Plan eingweiht und los gings.
Die Wanderung ist an einem Sonntag und vielleicht ist das der Grund, warum ich denke wir hätten einen gemütlichen Sonntagnachmittags- Spaziergang vor uns. Eins kann ich schon mal vorweg nehmen: ich sollte mich irren!
Es fängt damit an, dass das schöne Wetter vom Vortag wie verflogen zu sein scheint. Leider bemerke ich das aber erst NACHDEM ich die Wohnung verlasse. Statt schönem Wetter gibt es eine geschlossene Wolkendecke. Ein Blick in den Himmel verrät einen ungewissen Ausgang für das Wetter, dabei sind wir heute den ganzen Tag draußen unterwegs. In solchen Fällen hätte man wohl zumindest ganz gerne eine Jacke dabei. Macht ja nichts!
Nach ein bißchem Autofahren kommen wir am Startpunkt an. Da wir von dort aus einem Flussverlauf hinab zu einem Strand folgen würden und wir mit zwei Autos angereist sind, beschließen wir ein Auto am Strand zu parken, sodass wir den ganzen Weg nicht zweimal gehen müssten. Eine weise Entscheidung.
Gleich am Startpunkt gibt es die erste Überraschung: Es gibt gar keinen richtigen Track. Dazu muss man sagen, dass die Tracks in Neuseeland üblicherweise gut ausgeschildert und gepflegt sind. Auf 'unserem' Track werde ich kein einziges Schild sehen.
Es fängt sehr harmlos an: erst überqueren wir eine Ackerwiese, dann folgen wir einem breitem Gehweg. Mit der Zeit allerdings wird dieser immer schmaler und der Wald immer dichter. Plötzlich stehen wir an einem Bach — aber es gibt keine Brücke! Als es dann auch noch langsam anfängt zu regnen, wird mir zum ersten Mal an diesem Tag klar, dass es wohl doch kein Sonntagsspaziergang werden wird.
Am Bachufer stehend wird mir klar, dass ich zum letzten Mal für heute trockene Socken tragen werde. Zwar liegen ziemlich viele Steine im Bach, die einem helfen den Bach zu durchqueren und an der ersten Stelle, an den wir ihn überqueren ist er nicht sonderlich breit. Aber die Steine sind leider sehr glitschig und es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein bis man das erste mal ausrutscht. In dieser Sache — soviel darf ich mal wieder vorweg nehmen — sollte ich recht behalten.
Nach unserem ersten Seitenwechsel ist alles, was vorher noch nach einer Spur ausgesehen haben mag, vollkommen verschwunden. Hier regiert nur Mutter Natur! Das heißt wir suchen uns IRGENDEINEN Weg. Geht es auf der einen Flussseite nicht weiter, versuchen wir es auf der anderen. Manchmal scheint es auch auf beiden nicht weiter zu gehen. Aber es ist erstaunlich — wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg! Und so geht es — irgendwie — immer weiter.
Der Regen wird immer stärker, aber das ist nicht weiter schlimm. Nass bin ich sowieso von oben bis unten. Die hilfreichen Steine, mit Hilfe derer ich anfangs den Bach überquert habe, gibt es schon lange nicht mehr. Geht es weder auf der einem noch auf der anderen Uferseite weiter, versuchen wir es mitten durch den Fluss. Dieser wird irgendwann zu tief. Also suchen wir uns doch einen Weg am Ufer entlang. Es gibt immer einen Weg — irgendwo.
Mitten im Wald läuft uns plötzlich ein Frischling über den Weg. Die mitwandernde Damenwelt ist zwar ob der Niedlichkeit des kleinen Dings entzückt, doch um ehrlich zu sein traue ich dem Frieden nicht recht. Wo das Junge ist, können die Eltern nicht weit sein, sage ich mir und frage mich, wie es Mami oder gar Papi gefallen würde, wenn wir das kleine Schweinchen einfach streichelten. Glücklicherweise scheinen die aber ebenfalls auf ihrem Sonntagnachmittags- Spaziergang unterwegs zu sein und lassen sich nicht mehr blicken. Den Baum, den ich im Falle eines Falles hochklettern würde, hatte ich mir schon ausgesucht.
Als letzte große Tat des Tages erklimmen wir eine Anhöhe auf dem Starnd um einen Überblick zu bekommen.
Es war ein "Spaziergang", den ich bestimmt nicht so schnell vergessen werde. Die Landschaft ist wirklich so spektakulär wie es mir versprochen wurde und ein Tag im Nassen kann man für die schönen Eindrücke ruhig in Kauf nehmen wie ich finde!
Zum Album:
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